Der Holocaust

Das Wort Holocaust steht heute international für den industriellen Massenmord an Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, politischen Gegnern und sog. Asozialen in der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945. Im Hebräischen wird die Bezeichnung haSchoah benutzt, was übersetzt Katastrophe oder das große Unheil bedeutet.

Die NSDAP hatte schon 1919 in ihrem Wahlprogramm einen mehrere Punkte beinhaltenden Plan zur Ausgrenzung von Juden aus der deutschen Gesellschaft aufgenommen und in seinem Buch „Mein Kampf“ schrieb Adolf Hitler über seine Vernichtungspläne gegenüber der jüdischen Bevölkerung. Die Denkweise der Partei sowie die von Hitler war nicht neu. Antisemitismus war latent in allen Ländern Europas vorhanden und zog sich quer durch alle Gesellschaftsschichten.

30. Januar 1933
Hitler am Fenster der Reichskanzlei in der Wilhelmstrafle in Berlin bei der Entgegennahme der Ovationen der Bevölkerung am Abend des Tages.
(Aufnahme: Robert Sennecke, Berlin)

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler vom Reichspräsidenten Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Bereits im März 1933 erhielten Juden, die freiberuflich tätig waren (u.a. Ärzte und Anwälte), Berufsverbote. Am 01. April 1933, wurde die Bevölkerung zum „Judenboykott“ aufgerufen, was bedeutete, dass das Betreten von Geschäften behindert wurde und zahlreiche Fensterscheiben mit hetzerischen Parolen bemalt und nicht wenige davon eingeschmissen wurden. Am 7.04.1933 wurden Juden per Gesetz aus dem Staatsdienst ausgeschlossen, was viele Lehrer betraf.

1935 wurden Juden sämtliche Bürgerrechte entzogen. Wer nach der Auffassung der NSDAP Jude sei, definierten die sog. Nürnberger Gesetze. Jeder musste einen „Ariernachweis“ erbringen. In diesem Nachweis musste über mehrere Generationen hinweg nachgewiesen werden, dass in der Ahnenreihe keine Vorfahren jüdischen Glaubens zu finden seien. Waren mindestens drei Großeltern jüdisch, galt man nunmehr als Volljude. Man staffelte die jüdische Bevölkerung weiterhin in Halbjuden, Vierteljuden und Mischlinge auf. Geschlechtsverkehr und Eheschließungen zwischen Ariern und Juden wurden verboten und konnten mit Gefängnisstrafen bei Missachtung belegt werden. Ebenso durften Juden keine arischen Hausmädchen mehr beschäftigen. Im Zuge der Entziehung der Bürgerrechte wurden nach und nach jüdische Kaufleute gezwungen, ihre Geschäfte weit unter Wert an Arier zu verkaufen und weitere kaufmännische Tätigkeiten wurden verboten. Ebenso durften Juden ihre Wertpapiere und ihren Schmuck nicht mehr eigenständig verkaufen und bis zum 31. März 1939 musste sämtlicher Schmuck schlussendlich an staatlichen Ankaufstellen abgegeben werden.

Über Meldelisten, Kennkarten und dem eingestempelten „J“ in ihren Ausweisen wurden Juden registriert und damit liefen die Vorbereitungen für die Deportationen in die Todeslager verwaltungstechnisch an. Zusätzlich mussten Männer ihrem Vornamen den Namen Israel und Frauen den Namen Sara hinzufügen. Der gelbe Stern, der als öffentliches Erkennungsmerkmal für Juden galt, wurde in Polen schon im September 1939 eingeführt, auf deutschem Staatsgebiet erst im Jahr 1941.

Im Oktober 1938 wurden etwa 15.000 Juden gewaltsam aus Deutschland nach Polen deportiert (u.a. betraf es den späteren Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki).

Am 9. November 1938 erlag der deutsche Botschaftsangehörige vom Rath in Paris den Folgen eines Attentatsversuchs durch einen in Frankreich lebenden polnischen Juden. Unter dem Vorwand dieses Attentates wiegelte die NSDAP-Führung die Bevölkerung gegen die Menschen jüdischen Glaubens auf bzw. sie versuchte es. Die Zerstörung der Synagogen, Geschäfte, Wohnungen, Gemeindehäuser und die Menschen waren gelenkte Aktionen und wurden zum größten Teil durch Angehörige der Partei begangen. Nach der Nacht vom 9. auf den 10. November wurden ca. 30.000 Juden in Konzentrationslager verschleppt, in denen Hunderte ermordet wurden oder an den Folgen der Inhaftierungen starben. Die durch die Pogrome entstandenen Schäden sollten die jüdischen Menschen selbst zahlen und ihnen wurde eine Summe von 1 Milliarde Reichsmark als Sühne für die entstandenen Sachschäden zusätzlich auferlegt.

Am 1. September 1939 überfiel die deutsche Wehrmacht Polen und besetzte das Land. Es kam zu zahlreichen Massakern an der jüdischen Bevölkerung und an der polnischen Führungsschicht. Die jüdische Bevölkerung wurde in Ghettos, in denen Überfüllung, Hunger und unhygienische Zustände herrschten, zusammengepfercht. Erste Konzentrationslager wurden errichtet und die späteren Mordmethoden wurden in Polen erstmalig angewandt.

Im Zuge des Krieges gegen die Sowjetunion im Jahr 1941 zogen im Schatten der Wehrmacht Einsatzgruppen der SS hinterher und verübten auch im Beisein von Wehrmachtsangehörigen Massaker an der jüdischen Bevölkerung (das bekannteste Massaker ist das in der Schlucht von Babi Jar, bei dem an zwei Tagen ungefähr 33.000 Männer, Frauen und Kinder erschossen wurden).

Am 20. Januar 1942 fand in Berlin die Wannsee-Konferenz statt. Auf dieser Konferenz wurde die sog. „Endlösung der Judenfrage“ geplant. Faktisch war der Holocaust schon im Gange und auf der Konferenz ging es um die Organisation. Besonders hervorzuheben von den Teilnehmern ist Adolf Eichmann. Er sorgte mit seinen Listen der Personen und der Organisation der Deportationszüge für das Gelingen des industriellen Massenmordes an der jüdischen Bevölkerung.

Ansicht des Eingangs des Lagers Auschitz-Birkenau

Die Vernichtungslager Belzec, Treblinka und Sobibor existierten schon, Auschwitz war ab 1940 fertiggestellt und die Deportationszüge ab 1942 hatten Auschwitz als Ziel. Nach und nach wurden die Ghettos in Polen und den anderen besetzten Ländern geräumt und die Menschen nach Auschwitz transportiert (aber Auschwitz war nicht das einzige Ziel, die anderen Vernichtungslager wurden weiterbetrieben. Auschwitz war das größte in seiner Art.) Dort wurden sie schon bei der Ankunft selektiert, d.h. als noch arbeitsfähig eingestufte Menschen wurden im Lager eingepfercht, die anderen (was vor allem Kinder, z.T. deren Mütter und Alte betraf) wurden direkt in die Gaskammern geschickt, dort vergast und anschließend verbrannt. Vielfach wurden die sofort Ermordeten gar nicht namentlich registriert, womit die genaue Bezifferung der Opferzahl erschwert ist. Die als noch arbeitsfähig eingestuften Menschen wurden im Lager durch Tätowierung einer Nummer in den Arm ihrer Individualität beraubt. Sie bekamen einheitliche Kleidung (eher Lumpen), die Gefängniskleidung ähnelte, Essensrationen, die kaum zum Überleben reichten, und mussten unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit verrichten. Von dieser Zwangsarbeit profitierten zahlreiche deutsche Unternehmen (z.B. IG Farben), die in unmittelbarer Nähe zu den Vernichtungslagern Außenstellen ihrer Produktionsstätten errichtet hatten.

Als die sowjetischen Truppen gegen Kriegsende den Vernichtungslagern im Osten immer näherkamen, wurden diese Lager geräumt, indem man die nicht mehr marschfähigen Menschen zurückließ und die Restlichen in den Todesmärschen in Richtung deutsches Staatsgebiet trieb. Auf diesen Todesmärschen wurden diejenigen, die nicht mehr weiterkonnten, rücksichtslos erschossen. Die SS-Wachmannschaften versuchten vor den Räumungen so viele Beweismittel wie möglich zu vernichten, indem die Gaskammern und die Krematorien gesprengt und Akten verbrannt wurden.

27.01.1945
Kinder im KZ Auschwitz am Tag der Befreiung des Lagers durch die russische Armee

Am 8. Mai 1945 war auf dem europäischen Kontinent der Zweite Weltkrieg zu Ende. Schätzungsweise verloren im Holocaust 5,5- 6 Millionen Menschen ihr Leben. Die Haupttäter wie Hitler und Himmler entzogen sich ihrer Bestrafung durch Suizid. In den Nürnberger Prozessen ab 1945 wurden einige Täter zum Tode verurteilt, allerdings konnten viele Haupttäter fliehen. Argentinien und Brasilien waren beliebte Fluchtorte. Josef Mengele, der in Auschwitz brutale Versuche an Zwillingen und Kleinwüchsigen anstellte, entkam nach Brasilien und lebte dort bis zu seinem Tod unbehelligt. Adolf Eichmann wurde vom israelischen Geheimdienst Mossad in Argentinien aufgespürt und in Israel vor Gericht gestellt und dort zum Tode verurteilt. Insgesamt ist die Aufarbeitung der NS-Zeit in der Bundesrepublik Deutschland verschleppt worden, da z.T. auch diejenigen Richter waren, die dieses Amt auch schon in der NS-Zeit ausübten. Aus dieser juristischen Verschleppung der 50er- und 60er-Jahre resultieren auch die heutigen Prozesse gegen zum Teil über 90jährige Angeklagte.

Text: Katharina Löchel , Oer-Erkenschwick
Fotos: Wikipedia (Bundesarchiv) u.a. Quellen

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